Anspannung - Entspannung

Schon mal über das Schreien nachgedacht? Sicherlich über das ein oder andere Geschrei, weniger wahrscheinlich über das Schreien im Allgemeinen. So ging es uns zumindest. Da ist man also bereits jahrzehntelang von Schreien in verschiedensten Varianten umgeben aber richtig bewusst darüber nachgedacht? Eher nicht. Seltsam eigentlich in Anbetracht der Tatsache, dass wir das als erstes tun, wenn wir auf die Welt kommen und die meisten von uns dann ihr „Schreirepertoire“ über die Jahre immer weiter ausbauen.
Schreien aus Schmerz und aus Ärger ist wohl das erste, was den meisten einfallen dürfte. Und als Bild taucht Edvard Munchs „Der Schrei“ vor dem inneren Auge auf. Doch da gibt es noch viel mehr: Schreien als Ausdruck und Schreien unter einem bestimmten Eindruck. Schreien, weil man gehört werden will, Schrei als Protest, vor Schreck, aus Trauer, aus Lust, aus Freude, …
Wer schon mal Karussell, Achterbahn oder ähnliches gefahren ist, kennt das Schreien als Herausschreien von Anspannung. Und das befreiende Gefühl, wenn die Anspannung in Entspannung übergeht, der Schrei in hemmungsloses Lachen.
Schreien wird je nach Situation und Person unterschiedlich gedeutet und zieht daher von Hilfeleistung bis Platzverweis die unterschiedlichsten Reaktionen nach sich. So wie es Menschen voneinander distanzieren kann, zum Beispiel im Streit oder Kampf, kann es verbindend wirken, zum Beispiel im Fußballstadion oder auf einer Demo.
Ebenso vielgestaltig wie das Schreien im Allgemeinen ist, stellt es sich bei der Band Fjørt dar. Da ist das Schreien zum einen eine Variation von Gesang und entspricht einer bestimmten musikalischen Stilrichtung. Gleichzeitig ist es aber auch der Ausdruck von Gefühlen, die ihren Ursprung jenseits von Musik, nämlich mitten im Leben haben. Verzweiflung, Wut, Enttäuschung und Schmerz machen sich Luft. Das geschieht in erster Linie aus einer emotionalen Notwendigkeit heraus, nicht aus Kalkül. Und es stößt auf Resonanz. Wenn David, Bassist und Sänger von Fjørt, vom Bühnenrand aus gezielt ins Publikum schreit, ist das eine Einladung zum gemeinsamen Schreien, die begeistert angenommen wird. Musikmachen, Musik performen und miterleben als Ventil. Darüber und über vieles andere haben wir mit Chris (Sänger und Gitarrist) und David vor ihrem Konzert im Stuttgarter Wizemann gesprochen.
Eindrucksvolle Musik, darum ging es auch in einem kurzen Gespräch mit Jule, Lampe und Matze Rossi vor unserem Schrägfest im Jubez Karlsruhe. Neben Musik von Fjørt haben es uns Koj, Schluma, Casper, Marathon und The Sprints angetan. Was euch davon zum Mitschreien animiert oder doch eher zum schreiend davonlaufen, hört selbst!
| Nr | Artist | Titel | Album | Label | Jahr |
|---|---|---|---|---|---|
01 | Koj | Stars | Home | Long Branch Reocrds | 2020 |
02 | Casper | Kontrolle / Schlaf | XOXO | Four Music | 2011 |
03 | Fjørt | Messer | belle époque | GHVC | 2026 |
04 | Fjørt | Yin | belle époque | GHVC | 2026 |
05 | Schluma | Die besten Dinge geschehen wenn du mich falsch verstehst | Single | GHVC | 2026 |
06 | Sprints | Heavy | Letter to Self | City Slang | 2024 |
07 | Marathon | Tired | Marathon | V2 Records Benelux | 2023 |
