Vortrag: Ein schmaler Grat – Widerstand im KZ Buchenwald

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Vortrag von Bernd Langer in der Planwirtschaft am 1.10.14 (nachzuhören auf : https://www.freie-radios.net/66454)

Eindrücke, Erfahrungen und die Folgen aus einer frühen Jugend im „Zonenrandgebiet“ haben wir präsentiert bekommen. In der Form, dass Bernd Langer durch seine Neugierde und Akribie Biografien und Geschichte nach seiner Politisierung erschlossen hat und sie über 2 Stunden aufschlussreich und fesselnd darbot.

Er referierte über den mutigen und gemessen an den Bedingungen ausgesprochen erfolgreichen, organisierten und auch in seiner Form einzigartigen Widerstand im KZ Buchenwald. Einzigartig einerseits, da es in anderen KZs nicht genügend entschlossene und vernetzte politisch Aktive gab, und andererseits durch die Gratwanderung über das Dilemma der notwendigen Zusammenarbeit mit SS-Schergen, Korruption, Geldbeschaffung, Postenbesetzung und politischem Selbstverständnis. Denn eine einfache Schwarz-Weiß-Beschreibung von antifaschistischen Helden unterschlägt die komplizierten Verhältnisse in den Konzentrationslagern.

Unterstützung und Abwechslung erhielt der Vortrag durch eingespielte Interviewpassagen mit Paul Grünewald aus dem Jahr 1994, dem einzigen zu diesem Zeitpunkt noch lebenden, ehemaligen Häftling. Dieser war zusammen mit Karl Peix und Walter Krämer, die beide 1941 ermordet wurden in einer Widerstandsgruppe im Krankenrevier tätig. Alle drei waren zuvor in der KPD aktiv.

 


CD-Cover

Paul Grünewald, zum Interviewzeitpunkt schon 82 Jahre alt berichtete glockenhell wach und auf hessisch über die barbarischen Verhältnisse und die brutalen sowie schwierigen Bedingungen unter denen Kampf und Widerstand organisiert werden mussten. Hierbei konnte auf die moralischen Ansprüche demokratischer Friedenszeiten oft keine Rücksicht genommen werden. In diesem Zusammenhang muss die bevorzugte Zuteilung von Essensrationen an unverzichtbare Organisatoren des Widerstands sowie die gewaltsame Beseitigung von Verrätern und Kollaborateuren mit der SS gesehen werden. Dennoch wurde dem Humanismus nicht abgeschworen. So erwähnte der Referent mehrfach, dass Menschen, die unter Folterbedingungen Geständnisse abgelegt hatten nicht einfach fallen gelassen und ausgestoßen wurden. „Haben wir alles richtig gemacht?“ ist dann auch eine Frage, die sich der Interviewpartner stellte.

Somit ging der Abend über eine gewöhnliche Zeitzeugenschilderung hinaus.

Dies wurde alles ermöglicht durch den Infoladen in der Planwirtschaft.

Mini Malör

 

Wir haben den Vortrag aufgezeichnet, ihr könnt ihn hier nachhören: https://www.freie-radios.net/66454

 

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"Kunst und Kampf"-Logo
 

Weitere Informationen zum Thema könnt ihr Bernd Langers informativer Webseite entnehmen:

http://paul-gruenewald.kunst-und-kampf.de/Paul_Gruenewald/das_Projekt.html

Neben ausführlichen Beschreibungen, Grafiken und historischem Material bietet sich hier auch die Möglichkeit, die Original-Aufzeichnungen der Gespräche mit Paul Grünewald anzuhören.