"kein Deckchensticken"

Vor 50 Jahren starb Mao Zedong, bis heute eine kontroverse Figur der Zeitgeschichte.
Die Partei hält dem Revolutionär und Staatsgründer der Volksrepublik China offiziell noch die Treue, gab aber schon kurz nach seinem Tod im September 1976 die so nichtssagende wie verbindliche Bewertung "Zwei Drittel gut, ein Drittel schlecht" aus.
"Eigenartig ist diese Renaissance, weil sowohl die Parteiführung als auch gegen sie Protestierende wieder gerne auf Mao rekurrieren. Legt die Partei Wert darauf, jenen Mao ins Gedächtnis zu rufen, der militärische Disziplin und absolute Hingabe des Einzelnen ans Kollektiv forderte, so hantiert sie doch mit einem zweischneidigen Schwert: Denn damit weckt sie eben auch Erinnerungen an den von Mao gepredigten Egalitarismus, daran, wie er die westliche Dekadenz geißelte und in der »großen proletarischen Kulturrevolution« zum Aufstand gegen eine »neue Ausbeuterklasse« in China aufrief." (Uli Krug)
Eine redliche Gesamtdarstellung sieht sich mit der Problematik des Changierens zwischen (anzustrebender) Strukturgeschichte und dem notorischen (positiven wie negativen) Personenkult konfrontiert. Denn nicht "große Männer schreiben Geschichte", sondern der Fortgang der Verhältnisse und Geschehnisse ist nicht anders zu begreifen denn als Produkt eben des gesellschaftlichen Gefüges, in dem sich das abspielt. Ein Primat der Sozialgeschichte also. Große historische Figuren dienen in dieser Hinsicht eher als Projektionsflächen des Guten wie des Bösen, je nach Erkenntnisinteresse.
