Der beforschte Linksradikalismus

Frankfurter Schule _ Anarchismus _ Marxismus

Für gewöhnlich beargwöhnen sich die zersplitterten Fraktionen der radikalen Linken, und alle haben sie gute Argumente dafür, die anderen suspekt zu finden: Anarchisten werden von Marxistinnen und kritischen Theoretikern als naive Aktivisten belächelt, Marxisten werden von Anarchisten und kritischen Theoretikerinnen als verknöcherte, autoritäre Dogmatiker gemieden, Vertreter der kritischen Theorie werden von Marxisten und Anarchistinnen der bürgerlichen, kontemplativen Hochnäsigkeit geziehen ... Und irgendwie haben sie alle sogar irgendwo recht: Denn "kleinbürgerlich" und sektiererisch, das sind sie, also die anderen.
Um allerdings wirkmächtig werden zu können, bedürfte es sicher dem besten von allen dreien: Dem unbändigen Freiheitsdrang des Anarchismus; der entrückten Affinität zu Philosophie, Psychoanalyse und Ästhetik der kritischen Theorie; last but not least der materialistischen Wahrheit des Marxismus.

Immerhin aber lassen sich die ideologischen Differenzen, die oft so gravierend gar nicht sind, erforschen – vielleicht sogar im staatlichen Auftrag und mit Alimentierung. Und so entdecken Akademiker heute die Revolutionstheorie, untersuchen Aspekte und Bezüge und evaluieren Ansätze, "nachdem die Veränderung der Welt mißlang". Man darf annehmen, daß die institutionelle Akzeptanz solcher Forschung zur derzeitigen Harmlosigkeit ihres Gegenstandes proportional ist.

 

Sendetermin
Sonntag, 17. Mai 2026 - 20:00 bis 22:00
Freitag, 5. Juni 2026 - 14:00 bis 16:00
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