»Abnutzungskrieg« – Gesinnung oder Besinnung?

Der Ukrainekrieg geht ins fünfte Jahr

Die ersten Reaktionen waren die schrillsten: In den Talkshows saßen auf einmal stocksteife Militärs in Uniform, um diese naiven und unkundigen Zivilisten über den Ernst der Lage zu belehren – wie Erwachsene, die ihren Zöglingen was vom Ernst des Lebens erzählen. Die Respektsperson aus dem Befehlsuniversum erklärt uns die Welt. Es war ein echter 1914-Moment. Schreckensvision damals im Frühjahr 2022 war, der Krieg könne "vielleicht bis zum Sommer andauern". Begriffe wie "Materialschlacht", "Abnutzungskrieg", "Zermürbungskrieg" machten die Runde.

Wer auch nur leise Zweifel anmeldete, ob der Westen wirklich der glaubwürdige Verteidiger der Freiheit sei, als der er sich präsentiert, wurde als Putin-Freund geschmäht. 50 Jahre Entspannungspolitik und Völkerfreundschaft sollten auf einmal ein großer Fehler gewesen sein, und man wartete schon darauf, daß als nächstes irgendjemand das Unternehmen Barbarossa als einen klugen Präventiv-Schachzug rehabilitieren würde ... Die berüchtigte "Zeitenwende" wurde ausgerufen, und ein unvorstellbares "Sondervermögen" von 100 Mrd. Euro mal eben so durchs Parlament gewunken. Roman Herzogs wilhelminischer Wunschtraum jedenfalls, der wurde wahr: "Es muß ein Ruck durchs Land gehen", hatte der damalige Bundespräsident sich und seinem Volk ja schon 1997 gewünscht.

Die Devise aus der Antike "Willst du Frieden, bereite dich auf den Krieg vor" hieß nun, in unverändert martialischer Mentalität, "Wir müssen Krieg führen können, um nicht Krieg führen zu müssen". Bertolt Brecht hingegen wußte: "Wenn die Oberen vom Frieden reden, weiß das gemeine Volk, daß es Krieg gibt. Wenn die Oberen den Krieg verfluchen, sind die Gestellungsbefehle schon ausgeschrieben."
Späteren Generationen von Historikern wird es vorbehalten sein zu erforschen, wie es tatsächlich so weit kommen konnte. Zusammenhänge, die heute in aller Betriebsblindheit nicht sichtbar sind oder die viele schlicht nicht wahrhaben wollen, werden erhellen, daß die Malaise in dieser Weltwirtschaft, in dieser Arbeits- und Kommandogesellschaft sich hat abspielen können. Und welche Faktoren die Krise sich derart haben zuspitzen lassen, bis es dann so richtig geknallt hat.

 

Sendetermin
Sonntag, 15. März 2026 - 20:00 bis 22:00
Wiederholung
Freitag, 3. April 2026 - 14:00 bis 16:00
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