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QUERFUNK 104,8 MHz
Freies Radio Karlsruhe |
Hörsturz
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Hörsturz
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Musik auch gegen Selbstgenügsamkeit:Hörsturz
die zweite subjektive Sendung in Karlsruhe
Die wöchentliche Dosis totalitären Pluralismus, samstags um 22 Uhr auf 104,8 Megahertz ist nicht nur die John Peel's Music für arme, deren Original u.a. in Hongkong, aber auch in Teilen Norddeutschlands, und zwar dort zeitgleich ausgestrahlt wird. Wie schon der Untertitel andeutet, geht es um nichts anderes als Musik - abgesehen von des radiotrinkers alter ego, genannt indoctrinator, welcher immer wieder auftaucht, um ideologische Aufklärungskampagnen durchzuführen ... Selbstverständlich werden alle Titel ausgespielt und angesagt, schließlich ist Moderation höchstens Nebensache. Das Konzept, wenn von einem solchen überhaupt die Rede sein kann, ist eigentlich eines von öffentlich-rechtlichen Sendern, wo sogenannter independent-Musik höchstens eine oder zwei Stunden in der Woche zugebilligt wird bzw. wurde. Vielleicht erinnert sich ja der eine oder die andere zusammen mit dem radiotrinker und Taschentüchern an die Pop Session oder Graffiti auf WDR 1, der Ball ist rund auf HR 3 oder eben John Peel's Music auf BFBS, die allesamt quasi gezwungen gewesen sind, aufgrund sehr beschränkter Sendezeit ein plurales stilistisches Angebot inmitten einem mehr oder weniger kommerzbetonten Radioprogramm zu präsentieren. Der Trend geht - wie 1995 nicht zuletzt am Beispiel des ehemals hörbaren WDR 1 zu verfolgen (zum Angebot des Südwestens möchte ich lieber keine Worte verlieren) - stetig zuungunsten von Vielfalt und vor allem Geschmack. Nun, das ist bei Querfunk nicht wirklich der Fall; trotzdem möchte ich ausdrücklich eine Sendung machen, die sich nicht sklavisch über irgendeinen Szene-Mikrokosmos definiert und diesen treu mit den neuesten Produkten beliefert, sondern ab und zu auch mal ein Klischee zerstört. Auch ist durchaus beabsichtigt, daß der eine oder die andere Hörerin mal richtig entsetzt ist ob der unglaublichen ge-Räusche, die ein handelsüblicher Rundfunkempfänger abgeben kann. Und was für Musik der radiotrinker da präsentiert - subversive (in einem gewissen Sinne), keine schöngeistige! Zum Beispiel in den letzten Jahren: rasenden Thrash und fertigen Trash, pickligen psycho-Beat, musikgewordene Dekadenz, hektischen Jungle, sensiblen Gitarrenlärm, Krach, dada, Schräges und Verschrobenes. Selbstgefällige Liedermacher und speckigen Crossover hingegen meide ich ebenso wie konventionellen Stadionrock. Dabei interessiert es in der Regel herzlich wenig, was Musikanten in Interviews zum Besten geben; sie schreiben und spielen gute Musik (der ich den Anspruch abverlangen darf, für sich selbst sprechen zu können), das muss genügen. Insbesondere ist daher instrumentale Musik ein Schwerpunkt, laut zu hörende ein weiterer. Ich versuche vor allem nichttriviale Musik zu spielen, die daher konzentriert gehört werden kann, aber nicht muß, Dir also dennoch nicht Deine gesamte Anspannung permanent abfordert, wie es etwa bei Jazzrock und ähnlichen Selbstbefriedigungs-Disziplinen der Fall ist. Aber auch der 574. Deutschpunk-Titel, und strotzt er noch so von sogenannter street credibility, wird draußen bleiben müssen, wenn es wieder Samstag, 22 Uhr ist, es sei denn, er hat dasjenige unglaublich straighte Riff, das schon 573 andere vergeblich gesucht haben ... Was als belanglos zu verwerfen ist, scheint eine Sache des Geschmacks. Na und? Ist ja auch die zweite subjektive Radiosendung in Karlsruhe. Schliesslich habe ich nicht vor, die vertonte Version irgendeines 'wichtigen' Zentralorgans - und sei es Spex oder intro - zu sein, zumal ein signifikanter Unterschied darin besteht, dass der Hörsturz finanziell unabhängig agiert und preiswert zu produzieren ist. Nichts liegt mir ferner, als eine Sendung zu machen, die Du nicht gern hörst. Obwohl ich Dich ja gar nicht kenne. Ach ja: Samstags um 22 Uhr hört doch niemand zu ... Aber das ist nicht so wichtig, denn jenen, die spezifisch an der Musik in Karlsruher Diskotheken Gefallen finden, dürfte der Hörsturz sowieso kaum zusagen. Das beruht übrigens auf Gegenseitigkeit.
Playlists seit 1995
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