Ziele und Aufgaben des nichtkommerziellen Gesellschaftsfunks
Nach Auffassung von QUERFUNK erfüllt der nichtkommerzielle
Gesellschaftsfunk auf regionaler Ebene Funktionen,
die auf überregionaler und bundesweiter Ebene der öffentlich-rechtliche
Rundfunk übernehmen sollte.
- Im Gesellschaftsfunk wird die Vielfalt des kulturellen
und politischen Lebens dokumentiert und zum Ausdruck
gebracht.
- Der Gesellschaftsfunk ist ein streitbares Forum, in
dem sich die Menschen vor Ort kritisch und selbstbewußt
mit den politischen Ereignissen vor Ort auseinandersetzen
können.
- Der Gesellschaftsfunk ist eine notwendige Ergänzung
in der kommunalen Öffentlichkeit, die oft (wie auch
im Fall von Karlsruhe) von der Dominanz eines lokalen
Verlages geprägt wird.
- Der Gesellschaftsfunk wirkt der Zersplitterung der Öffentlichkeit
bedingt durch die Vielfalt an Sendern entgegen und
rekultiviert als kritisches Forum der Auseinandersetzung
eben diese Öffentlichkeit.
Um diese Aufgaben zu erfüllen, war es insbesondere wichtig,
ein funktionierendes Modell des offenen Medienzugangs
zu entwickeln:
- Zum einen wird ein Zugang zur aktiven und kritischen
Mitgestaltung von Programminhalten und -strukturen
für Interessierte und engagierte MitarbeiterInnen in
Fachredaktionen, Arbeitsgruppen und übergreifenden
Entscheidungsorganen (Plena) ermöglicht.
- Zum anderen können unabhängig vom Radio bestehende Gruppen
eigenständig Sendungen produzieren, die einen Platz
in einer festen Sendeschiene, dem
Gruppenradio, zugewiesen
bekommen.
Der grundlegende qualitative Unterschied des Gesellschaftsfunks
zu bestehenden Rundfunkstrukturen liegt in der eigenverantwortlichen
Selbstorganisation, was in folgenden Zielvorstellungen
zum Ausdruck kommt:
- Rollenwechsel von Konsumenten zu Produzenten und selbstbewußten
Akteuren in öffentlichen Diskussionen ("mediale Kompetenz"),
- Forum öffentlicher Auseinandersetzung mit dem Schwerpunkt,
den abstrakten Zusammenhängen in der Politik einen
lokalen Bezug zu verschaffen ("politische Kompetenz"),
- experimentelle Entwicklung selbstbestimmter Ausdrucksformen
als Gegenproduktion zur Kulturindustrie ("ästhetische
Kompetenz"),
- Radio als gesellschaftliches Modell zur eigenverantwortlichen
Selbstorganisation und als emanzipatorisches Gegenmodell
zur hierarchischen Struktur der Medienkonzerne ("soziale
Kompetenz").