War wohl nix, liebe AfD...

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... mit eurem "Themenabend" heute.

 

Eine Glosse von Sebastian Wirth

 

Sehr zu bedauern ist dieser Tage der Karlsruher Kreisverband der „Alternative für Deutschland“. Für den heutigen Freitag, 23.10. 2015, hatten diese nämlich zu einem weiteren informativen „Themenabend“ ins Clubhaus des hiesigen Sportvereins Karlsruher SC geladen. Special Guest der heiteren Hetzveranstaltung sollte dabei AfD-Vize Alexander Gauland sein, der mit seinen Ausführungen, die gerne mal ins Abstruse driften können („Die Verantwortung für die Brandanschläge auf Asylheime haben in erster Linie die Politiker der Altparteien, die zur jetzigen Eskalation der Flüchtlingsproblematik beigetragen haben.“)
durch das Programm des Abends führen sollte. Auf den Auftritt des braunen Promis musste nun allerdings doch verzichtet werden. Nach Bekanntwerden der Veranstaltung empfahl der KSC dem Pächter des Clubhauses nach zahlreichen Protesten - wie in seiner offiziellen Presseerklärung vom 19.10. zu lesen war - „ der für kommenden Freitag geplanten AfD-Veranstaltung keine Räumlichkeiten im KSC-Clubhaus zur Verfügung zu stellen“. Der Pächter Athanasios Chatzitehodorou sagte die Veranstaltung daraufhin mit der Begründung, er habe die politische Brisanz des AfD-Auftritts zu spät erkannt - schließlich sitze die AfD im Karlsruher Gemeinderat – ab. Kenner der Materie wissen natürlich um die Besonderheiten der griechischen Gastronomie und reagieren da natürlich mit Verständnis, schließlich können einem die Ausdünstungen von Tonnen gegrillten Fleisches und ständigem Ouzodunst leicht von der Fokussierung aufs Wesentliche ablenken. Trotzdem darf dem gerne mal einen Hellas-Teller goutierenden Bürger bei einem kurzen Rückblick auf die Äußerungen der AfD während der Griechenland-Finanzkrise der eine oder andere Souvlaki-Spieß im Hals stecken bleiben. Vorausgesetzt, das Kurzzeitgedächtnis.... aber das mit dem Ouzo wurde ja vorhin schon erwähnt.

Unabhängig davon bezeichnete selbst der für seine geradlinigen Aussagen nun nicht gerade überregional bekannte Lokalpolitiker Parsa Marvi (was jetzt auch nicht sonderlich zu überraschen vermag, arbeitet er schließlich für die Sozialdemokraten) die geplante Veranstaltung als „geschmacklos“. Wahrscheinlich hätte er einen Thailänder bevorzugt.

Die AfD wäre nun aber nicht die AfD, wenn hier nicht gleich nach einer schnellen, billigen Lösung für ein Problem gesucht worden wäre. So kam es, dass der Kreisverband, wohl dem inhaltlichen Stammtischniveau der Veranstaltung Folge tragend, den „Kühlen Krug“ als neues Ausflugsziel auserkoren hatte. Hier wäre man ja auch praktischerweise näher dran an den Flüchtlingsunterkünften der Stadt und vor allem an den Bürgerinnen und Bürgern, die hier ja so oder so ihre Erste-Welt-Probleme, ihre Besorgnis, ihre Ängste und Sorgen im Umgang mit Flüchtlingen bei einer kühlen Kaltschale des selbst für regionale Verhältnisse widerlich schmeckenden unfiltrierten Haustrunkes vergessen möchten. Gänzlich unfiltriert kam aber auch von den Betreibern dieses Etablissements nach eintägiger Bedenkzeit am Mittwoch eine Absage.

Wie man sich denken kann war jetzt natürlich Polen ganz weit offen und eine neue Location war gefragt. Die Brücke konnte man unmöglich halten und so begradigte die AfD die Front Richtung Grünwinkel, einen Stadtteil, in den sich nur noch wenige Stadtbürger trauen. Im Sommer spazieren dort Flüchtlinge offen an der Alb entlang und wildern die dort planschenden Bürger, sagt man. Doch selbst hier, wo sich die ungewaschenen, ungebildeten, faulen und verkommenen Einwohner einen täglichen Überlebenskampf mit Flüchtlingen liefern, war die AfD-Gurkentruppe mit ihrem spaßigen Event nicht willkommen. Der „Verein der Siedler und Eigenheimer Heidenstücker e.V“ untersagte dem Pächter des Vereinsrestaurants nämlich die Nutzung für den angestrebten Zweck. Damit konnte nun wirklich niemand rechnen, hatte der Verein doch alles zu bieten, auf das es der AfD ankommt: Tradition. Und ein jährliches stattfindendes Schlachtfest. Selbst hier musste der AfD-Kreisverband konsterniert feststellen “dass jeder Wirt, der uns seinen Saal vermieten will, mit allen Mitteln unter Druck gesetzt wird, sobald wir einen neuen Veranstaltungsort bekanntgeben“.

Na na na, wer wird denn da so pessimistisch sein, fragt sich der Verfasser dieser Zeilen dann doch recht verwundert. Ist es wirklich so schlimm bestellt um unsere bürgerliche Mitte, dass jeder dummselige rechte Hetzer keinen Ort mehr findet, wo er willkommen ist? Wo sind wir denn? Wenn hier jeder dahergelaufene Mensch, der gerade noch aus sieben Streichhölzer ein Haus bilden kann, plötzlich auf den Trichter kommen würde, dass die AfD „offen rechtsradikal“ ist?

Nun, wir hätten hier noch eine todsichere Location für euch, liebe AfDler: wie wäre es mit einem Ausflug nach Aleppo? Oder lieber Damaskus? Hier könnt ihr eure geliebte „Meinungsfreiheit“ unter sicher aufnahmebereiten Bürgern streuen wie Assad seine Fassbomben und dürft euch sogar aus den Trümmern eine eigene Venue basteln. Und wenn ihr wieder zurück kommt, dann ritzen wir euch eure menschenverachtenden Haltungen verknappt in die Prothesen, versprochen.

(swi)