Räumung der Künstlerkolonie am Hauptbahnhof - der Countdown läuft

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Vermutlich verborgen vor den meisten Karlsruhern, befindet sich auf dem Areal südlich des Hauptbahnhofs wohl einer der schönsten Orte der ganzen Stadt.

In mühevoller, mehr als 20 Jahre langer Arbeit haben die 25 dort ansässigen Künstler aus den alten Industrie- und Bahnhofsgebäuden etwas ganz besonderes geschaffen: ihre Künstlerkolonie.

So stellt neben den eigentlichen Werken der Kunstschaffenden das Gelände selbst in seiner Improvisation, in seiner wuselnd-werkeligen kreativen Schafferatmosphäre ein Kunstobjekt dar. In den vielen Ateliers – immerhin rund ein Drittel aller sich in Karlsruhe befindlichen Ateliers – werden mit Malerei, Kunsthandwerk, Schauspiel und Musik verschiedenste Formen der Kunst ausgeübt.

Am 03. Oktober riefen nun die Künstler zum Tag der offenen Ateliers. Nicht ohne Grund, denn die Kolonie steht vor dem Aus. Denn mit dem letzten Beschluss des Gemeinderats vom 28. Juli 2015 droht die Räumung. Die Mietverträge wurden zwar bereits 2002 offiziell gekündigt, nun soll es bis November zu endgültigen Aufhebungen der Erlaubnis, dort Ateliers betreiben zu dürfen, kommen. Ausziehen müssten die Künstler in dem Fall dann bis Ende März 2016. Unverständlich dabei, dass der Grund für die Räumung, die Baumängel des Areals, bereits seit über 20 Jahren bestehen und die Stadt erst jetzt die Gebäude sanieren will, und das, obwohl die bedeutendsten Mängel durch die Betreiber der Ateliers nach eigener Aussage bereits selbstständig behoben worden sind. Dazu wurde neben der völligen Entmietung eine anschließende Neugestaltung vorgesehen. Ein gemeinsames Konzept zur Renovierung, gemeinsam mit den Mietern, wurde hingegen direkt abgelehnt.

Viele ansässige Künstler sehen nun einer ungewissen Zukunft entgegen. Allgemein herrscht eine Knappheit an Atelierräumen in der Stadt, so dass kaum alternative preiswerte Räumlichkeiten zu finden sind. Auch die Umgestaltung des Areals zu einem geplanten „Kreativpark“ dürfte die Raummieten ins Unermessliche steigen lassen; statt organisch gewachsene künstlerische Strukturen und Vernetzungen zu fördern, dürften hier bald hippe Gutverdiener ihre überteuerten Kaffees schlürfen. So wird wohl leider eine der spannendsten Künstler-Gemeinschaften in Karlsruhe auseinandergerissen.

Das neben der KULT-Fraktion ausgerechnet auch die FDP-Fraktion sich für den Erhalt der Kolonie einsetzt, lässt hoffen, dass der Gemeinderat doch noch versteht, dass man Kunst nicht in Räume zwingen kann, sondern dass sie sich den Raum nimmt, den sie braucht. Wunder gibt es bekanntlich immer wieder. (DK / SW)